Barrierefreiheit durch KI: Wie auch kleine Unternehmen ihre Website für blinde Menschen zugänglich machen können
Barrierefreiheit durch KI: Wie auch kleine Unternehmen ihre Website für blinde Menschen zugänglich machen können
Was passiert, wenn ein blinder Mensch einen Wein in einem Onlineshop bestellen möchte? Ein Praxisbericht über digitale Hürden, künstliche Intelligenz und die Frage, warum Barrierefreiheit keine Frage der Unternehmensgröße sein sollte.
Stellen Sie sich vor, Sie betreten einen Weinladen. Die Flaschen stehen im Regal, die Preise sind ausgezeichnet, der Verkäufer ist freundlich. Doch als Sie nach einer bestimmten Flasche greifen möchten, sagt Ihnen niemand, welche Sie gerade in der Hand halten. Die Preisschilder sind nicht lesbar. Und der Weg zur Kasse? Den müssen Sie erraten.
Absurd? Im stationären Handel sicherlich.
Im Internet erleben blinde und sehbehinderte Menschen solche Situationen noch immer. Jeden Tag.
Auch wir betreiben mit kitz|selig einen kleinen Onlineshop für Wein und Weinerlebnisse. Und auch unsere Website hatte digitale Barrieren.
Wir wollten das ändern. Nicht mit einer teuren Komplettlösung, sondern mit den Mitteln, die uns als kleinem Betrieb zur Verfügung stehen: WordPress, WooCommerce, künstliche Intelligenz und der Bereitschaft, die eigene Website kritisch zu hinterfragen.
Was dabei herauskam, war mehr als eine technische Überarbeitung. Es war ein anderer Blick darauf, für wen wir unsere Angebote überhaupt gestalten.
Digitale Barrierefreiheit: Was blinde Menschen im Internet wirklich brauchen
Wer eine Website sehen kann, nimmt viele Informationen gleichzeitig wahr. Wir erkennen Überschriften an ihrer Größe, Schaltflächen an ihrer Farbe und Produktbilder an ihrem Motiv. Wir verstehen meist sofort, wo die Navigation beginnt und wie wir einen Artikel in den Warenkorb legen.
Blinde Menschen nutzen das Internet anders.
Viele arbeiten mit einem sogenannten Screenreader. Diese Software liest Texte, Schaltflächen, Links und andere Informationen vor oder gibt sie über eine Braillezeile aus. Ein Screenreader kann aber nur sinnvoll vermitteln, was die Website technisch und inhaltlich bereitstellt.
Eine Braillezeile macht digitale Texte tastbar: Kleine bewegliche Stifte bilden Brailleschrift. Zusammen mit Screenreader und Tastatur können blinde Menschen damit Texte lesen, navigieren und digitale Angebote nutzen.
Ein Bild mit der Dateibezeichnung IMG_2026_1045.jpg sagt einem blinden Menschen nichts über den abgebildeten Wein. Ein Link mit dem Text „Hier klicken“ verrät nicht, wohin er führt. Und ein Menü, das sich nur mit der Maus öffnen lässt, kann für Menschen, die ausschließlich die Tastatur verwenden, unerreichbar sein.
Für Menschen mit Sehbehinderung kommen weitere Schwierigkeiten hinzu: geringe Farbkontraste, kleine Schrift, unübersichtliche Seiten oder Inhalte, die bei starker Vergrößerung nicht mehr vollständig dargestellt werden.
Dabei gilt: Nicht alle blinden und sehbehinderten Menschen nutzen dieselben Hilfsmittel. Manche arbeiten mit Sprachausgabe, andere mit Vergrößerungssoftware, Braillezeilen oder einer Kombination verschiedener Techniken.
Barrierefreiheit bedeutet deshalb nicht, eine besondere Website für Menschen mit Behinderung zu bauen. Sie bedeutet, die vorhandene Website so zu gestalten, dass möglichst viele Menschen sie selbstständig nutzen können.
Warum digitale Barrierefreiheit gerade kleine Unternehmen betrifft
Große Unternehmen beschäftigen eigene IT-Abteilungen, externe Agenturen und Spezialisten für User Experience. Ein kleiner Handwerksbetrieb, eine Winzerfamilie oder ein selbstständiger Dienstleister verfügt über diese Ressourcen häufig nicht.
Die Website entsteht neben dem Tagesgeschäft. Produkte müssen gepflegt, Bestellungen bearbeitet und Kunden betreut werden. Barrierefreiheit steht dabei selten ganz oben auf der Aufgabenliste.
Das ist nachvollziehbar. Trotzdem lohnt sich ein genauerer Blick.
Denn Barrierefreiheit betrifft nicht nur eine kleine Gruppe potenzieller Kunden. Eine verständliche Navigation hilft auch älteren Menschen. Gut lesbare Texte erleichtern die Nutzung auf dem Smartphone. Eindeutige Formularfelder verhindern Fehler bei Bestellungen.
Und wer eine Website mit der Tastatur bedienen kann, profitiert möglicherweise auch dann davon, wenn eine Maus aufgrund einer vorübergehenden Verletzung nicht genutzt werden kann.
Was das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz bedeutet
Seit dem 28. Juni 2025 gelten in Deutschland durch das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) für bestimmte Produkte und Dienstleistungen zusätzliche Anforderungen an die Barrierefreiheit. Dazu gehören unter anderem bestimmte Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr.
Allerdings gibt es eine wichtige Ausnahme: Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten und höchstens zwei Millionen Euro Jahresumsatz oder Jahresbilanzsumme sind von den BFSG-Anforderungen an Dienstleistungen grundsätzlich ausgenommen.
Ob eine konkrete Website unter das Gesetz fällt, hängt von ihrem Angebot und den gesetzlichen Voraussetzungen ab. Auch andere rechtliche Pflichten können relevant sein.
Für uns sollte die entscheidende Frage aber nicht allein lauten: Müssen wir das gesetzlich umsetzen?
Sondern: Warum sollten wir Menschen von unseren Angeboten ausschließen, wenn wir viele Hindernisse mit überschaubarem Aufwand beseitigen können?
Unser Praxisbeispiel: Ein Weinshop wird Schritt für Schritt zugänglicher
Unsere Website kitzselig.de basiert auf WordPress und WooCommerce. Wir verkaufen Wein, bieten Weinwanderungen und weitere Erlebnisse an und nutzen Formulare für Anfragen und Buchungen.
Das ist technisch kein außergewöhnliches System. Genau deshalb eignet sich unser Beispiel für viele kleine Unternehmen.
Wir wollten herausfinden, welche Hürden tatsächlich bestehen und wie wir sie mit KI-Unterstützung beseitigen können.
1. Die Navigation muss auch ohne Maus funktionieren
Eine der ersten Aufgaben betraf die Hauptnavigation. Mit der Maus lässt sich ein Untermenü häufig einfach öffnen. Doch was passiert, wenn jemand ausschließlich die Tabulatortaste nutzt?
Kann die Person das Untermenü erreichen? Erkennt sie, welcher Menüpunkt gerade ausgewählt ist? Lässt sich das Menü wieder schließen?
Wir haben unsere Navigation so angepasst, dass Untermenüs über eigene Schaltflächen geöffnet werden können. Außerdem haben wir sichtbare Fokusmarkierungen und die Tastaturbedienung verbessert.
Auch ein Sprunglink zum Hauptinhalt gehört zu den Maßnahmen. Damit müssen Nutzer nicht auf jeder Unterseite erneut sämtliche Navigationspunkte durchlaufen.
2. Bilder müssen Informationen vermitteln, nicht nur gut aussehen
Für einen Weinshop sind Bilder wichtig. Flaschen, Etiketten und Geschenkverpackungen vermitteln Informationen, die bei einer Kaufentscheidung helfen.
Ein Screenreader erkennt den Inhalt eines Bildes aber nicht automatisch zuverlässig. Dafür benötigt die Website einen sinnvollen Alternativtext.
„Weinflasche“
„Flasche Silvaner trocken von kitz|selig mit hellem Etikett und grünem Flaschenglas.“
Dabei kommt es auf den Kontext an. Stehen Name, Rebsorte und Jahrgang bereits direkt neben dem Bild, muss der Alternativtext diese Angaben nicht unnötig wiederholen.
Nicht jedes Bild braucht überhaupt eine gesprochene Beschreibung. Rein dekorative Grafiken sollten von Screenreadern übersprungen werden können.
Bei uns betraf das beispielsweise Rehkitz-Grafiken, die als Gestaltungselemente dienen, und bestimmte Platzhalterbilder aus WooCommerce.
Die wichtigste Regel: Beschreiben Sie den Informationswert eines Bildes, nicht jedes sichtbare Detail.
3. Preise und Formulare müssen verständlich sein
Auch scheinbar kleine Details können entscheidend sein. Ein Preis von „14,00 €“ ist zunächst lesbar. Bei mehreren Mengen oder Varianten kann aber unklar sein, worauf sich dieser Betrag bezieht.
Deshalb haben wir Preisangaben an geeigneten Stellen präzisiert, beispielsweise durch den Zusatz „pro Stück“.
Bei Buchungsformularen haben wir außerdem die Beschriftungen, Pflichtfelder und Fehlermeldungen überprüft.
Ein Formular sollte nicht nur optisch anzeigen, dass eine Eingabe fehlt. Die Fehlermeldung muss auch technisch so eingebunden sein, dass ein Screenreader sie erfassen kann.
Wir haben zudem verhindert, dass negative Teilnehmerzahlen eingegeben werden können, und eine Bestätigungsseite nach dem Absenden eines Formulars vorgesehen.
Das sind keine spektakulären Funktionen. Aber genau solche Details entscheiden darüber, ob jemand einen Buchungsvorgang selbstständig abschließen kann.
4. Auch Cookie-Banner und externe Erweiterungen zählen
Ein barrierefreies Theme allein reicht nicht aus. Cookie-Banner, Zahlungsanbieter, Buchungsformulare und Plugins sind Teil der tatsächlichen Website. Wenn ein Cookie-Dialog nicht per Tastatur bedient werden kann, hilft auch die beste Hauptnavigation wenig.
Wir haben deshalb unter anderem die Kontraste unseres Cookie-Banners verbessert.
Eine weitere offene Aufgabe ist unsere bildbasierte Weinkarte. Solche Inhalte lassen sich nicht allein dadurch zugänglich machen, dass man sie als Bild veröffentlicht. Informationen über Weine und Preise sollten zusätzlich als echter Text verfügbar sein.
Gerade diese noch offenen Punkte zeigen: Barrierefreiheit ist kein Zustand, den man nach einer einzigen Überarbeitung endgültig erreicht.
Wie künstliche Intelligenz uns bei der Umsetzung geholfen hat
Jetzt kommt der Teil, der für kleine Selbstständige besonders interessant sein dürfte.
Wir haben nicht einfach eine KI gefragt: „Mach unsere Website barrierefrei.“ Ein solcher Auftrag wäre zu ungenau und würde ein Ergebnis suggerieren, das kein KI-System zuverlässig garantieren kann.
Stattdessen haben wir einzelne Aufgaben definiert, Probleme analysiert und Lösungen schrittweise umgesetzt.
KI als technischer Prüfer und Assistent
KI kann Quellcode untersuchen, HTML-Strukturen erklären und Hinweise auf mögliche Probleme geben.
Sie kann beispielsweise erkennen, dass ein interaktives Element keine verständliche Beschriftung besitzt oder dass ein Menü technisch ungünstig aufgebaut ist.
Auch bei WordPress- und WooCommerce-Anpassungen ist das hilfreich. Die KI kann Vorschläge für HTML, CSS, JavaScript oder PHP entwickeln und erklären, welche Auswirkungen eine Änderung hat.
Das spart Zeit, insbesondere wenn man selbst kein professioneller Webentwickler ist.
Allerdings gilt: Ein plausibel klingender Codevorschlag ist noch keine funktionierende Lösung. Änderungen müssen getestet werden, bevor sie auf einer produktiven Website eingesetzt werden.
KI als Unterstützung bei vielen Bildern
Wer einen Shop mit zahlreichen Produktbildern betreibt, kennt das Problem: Alternativtexte fehlen, sind zu allgemein oder stammen noch aus dem ursprünglichen Dateiimport.
KI kann helfen, solche Bilder zu sichten, Beschreibungen vorzuschlagen und einheitliche Qualitätsregeln anzuwenden. Sie muss dabei zwischen informativen und dekorativen Bildern unterscheiden.
Die endgültige Entscheidung sollte ein Mensch treffen. Denn die KI kennt nicht immer den tatsächlichen Produktkontext und kann Bilddetails falsch interpretieren.
KI als Übersetzer zwischen Technik und Praxis
Für mich lag ein großer Vorteil darin, technische Fragen in normaler Sprache stellen zu können.
Statt mich durch unzählige Forenbeiträge zu arbeiten, konnte ich konkrete Probleme beschreiben, mir Code erklären lassen und Änderungen gezielt weiterentwickeln.
So wurde KI zu einer Art technischem Sparringspartner. Nicht unfehlbar. Nicht selbstständig verantwortlich. Aber ausgesprochen hilfreich, um Aufgaben anzugehen, für die sonst oft Spezialwissen erforderlich ist.
Der konkrete Use Case: Ihre eigene Website mit KI verbessern
Wie können Sie nun selbst beginnen? Dafür brauchen Sie zunächst weder eine neue Website noch ein teures Spezialtool. Starten Sie mit einer einzigen wichtigen Seite, beispielsweise Ihrer Startseite, einer Produktseite oder Ihrem Kontaktformular.
Ihr 60-Minuten-Einstieg in die digitale Barrierefreiheit
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Ein KI-Prompt, mit dem Sie sofort beginnen können
Diesen Arbeitsauftrag können Sie zusammen mit dem HTML-Code einer Seite oder konkreten Beschreibungen Ihrer Website verwenden.
Vorlage für Ihren KI-Assistenten
Anschließend können Sie die Ergebnisse priorisieren und einzelne Lösungen umsetzen.
Besonders wichtig: Geben Sie keine Kundendaten, Passwörter oder vertraulichen Informationen in ein KI-System ein, wenn dafür keine geeignete datenschutzrechtliche Grundlage besteht.
Welche Werkzeuge sich für kleine Unternehmen eignen
Für einen ersten Einstieg sind mehrere Werkzeuge hilfreich. Viele davon lassen sich kostenlos nutzen.
| Werkzeug | Typischer Einsatz |
|---|---|
| ChatGPT | Code erklären, Alternativtexte entwerfen, Verbesserungen planen |
| Google Lighthouse | Automatisierte Prüfung ausgewählter technischer Kriterien |
| axe DevTools | Barrierefreiheitsprobleme auf Webseiten erkennen |
| NVDA | Website mit Sprachausgabe praktisch testen |
| WAVE | Visuelle Hinweise auf mögliche Barrieren erhalten |
Keines dieser Werkzeuge kann allein bestätigen, dass eine Website vollständig barrierefrei ist.
Automatische Tests erfassen nur einen Teil der möglichen Probleme. Ob eine Produktbeschreibung wirklich hilfreich ist oder sich ein Buchungsprozess verständlich anfühlt, muss zusätzlich praktisch beurteilt werden.
Warum KI menschliche Erfahrung nicht ersetzen kann
Bei all den technischen Möglichkeiten besteht eine Gefahr: Wir könnten glauben, dass eine bestandene Prüfung bereits beweist, dass Menschen mit Behinderung unsere Website problemlos nutzen können.
Das wäre ein Fehler.
Ein Screenreader kann einen Link technisch korrekt vorlesen. Trotzdem kann der Linktext unverständlich sein.
Ein Formular kann alle vorgeschriebenen Beschriftungen besitzen und dennoch so kompliziert aufgebaut sein, dass Menschen beim Ausfüllen scheitern.
Und eine Navigation kann technisch per Tastatur erreichbar sein, ohne sich im Alltag intuitiv bedienen zu lassen.
Deshalb ist der Austausch mit blinden und sehbehinderten Menschen so wertvoll. Organisationen wie der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) können wichtige Perspektiven und Informationen vermitteln.
Entscheidend ist dabei, Menschen mit Behinderung nicht nur als Empfänger gut gemeinter Verbesserungen zu betrachten.
Sie sind die Experten für ihre eigene Nutzungserfahrung.
KI kann uns helfen, technische Barrieren schneller zu finden. Ob die Lösung tatsächlich funktioniert, sollten wir aber auch mit den Menschen überprüfen, für die wir sie geschaffen haben.
Ist eine barrierefreie Website auch besser für Google?
Barrierefreiheit und Suchmaschinenoptimierung verfolgen unterschiedliche Ziele. Trotzdem überschneiden sich einige Maßnahmen.
Eine klare Überschriftenstruktur hilft Menschen mit Screenreader bei der Orientierung und erleichtert Suchmaschinen, Inhalte einzuordnen.
Aussagekräftige Linktexte verdeutlichen, was sich hinter einem Verweis verbirgt.
Gut strukturierte Produktinformationen können sowohl für Kunden als auch für Suchmaschinen verständlicher sein.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Barrierefreiheitsmaßnahme automatisch das Google-Ranking verbessert.
Ein sichtbarer Tastaturfokus ist für die Bedienbarkeit wichtig, aber kein garantierter Rankingvorteil. Und ein Alternativtext sollte nicht mit Suchbegriffen überladen werden.
Die Reihenfolge muss stimmen: Zuerst gestalten wir Inhalte für Menschen. Gute technische Strukturen können zusätzlich der Suchmaschinenoptimierung helfen.
Was unsere Umsetzung bisher zeigt – und was noch offen ist
Wir haben bei kitz|selig zahlreiche Punkte verbessert: die Navigation, den Tastaturfokus, Bildbeschreibungen, Formularfelder, Preisangaben und Teile der technischen Seitenstruktur.
Auch eine Erklärung zur Barrierefreiheit gehört inzwischen zu unserer Dokumentation.
Gleichzeitig bestehen noch Aufgaben. Die bildbasierte Weinkarte ist ein Beispiel dafür, dass nicht jeder Inhalt bereits in der bestmöglichen zugänglichen Form vorliegt.
Wir behaupten deshalb nicht, dass unsere Website vollständig barrierefrei ist.
Wir haben vielmehr gelernt, wie viele Barrieren sich mit einem systematischen Vorgehen erkennen und beseitigen lassen – und wie stark KI die technische Arbeit dabei unterstützen kann.
Für einen kleinen Betrieb ist das eine wichtige Erkenntnis.
Man muss nicht alles auf einmal lösen. Aber man kann anfangen, die wichtigsten Hürden abzubauen und die Ergebnisse regelmäßig überprüfen.
Barrierefreiheit ist keine Zusatzfunktion. Sie ist eine Frage der Haltung.
Ich möchte zum Schluss noch einmal auf den Weinladen vom Anfang zurückkommen.
Wenn ein Kunde unseren Laden betritt, sollte er nicht erst darum bitten müssen, die Preise erfahren zu dürfen. Er sollte wissen können, welche Produkte wir anbieten, und selbst entscheiden dürfen, was er kaufen möchte.
Im Internet sollte das nicht anders sein.
Wir sprechen häufig darüber, wie künstliche Intelligenz Unternehmen effizienter macht. Wie sie Texte schreibt, Prozesse beschleunigt oder Kosten senkt.
Aber vielleicht liegt einer ihrer wertvollsten Einsatzzwecke darin, Menschen Zugang zu Angeboten zu ermöglichen, von denen sie bisher ausgeschlossen waren.
Gerade kleine Unternehmen können hier etwas bewegen. Nicht, weil sie über unbegrenzte Budgets verfügen, sondern weil sie Entscheidungen schnell treffen und Veränderungen unmittelbar umsetzen können.
Unsere Arbeit an kitz|selig ist dafür ein Beispiel. Kein perfektes Vorzeigeprojekt, sondern ein praktischer Weg mit Fortschritten, offenen Fragen und weiteren Aufgaben.
Und genau dazu möchte ich andere Selbstständige ermutigen.
Ihr nächster Schritt: Testen Sie Ihre Website noch heute
Öffnen Sie Ihre Website. Legen Sie die Maus zur Seite. Versuchen Sie, nur mit der Tastatur ein Produkt zu finden, eine Anfrage zu stellen oder eine Bestellung vorzubereiten.
Wenn Sie irgendwo nicht weiterkommen, haben Sie bereits Ihre erste konkrete Aufgabe gefunden.
Nutzen Sie KI, um das Problem zu verstehen. Entwickeln Sie eine Lösung. Testen Sie sie. Und holen Sie sich nach Möglichkeit Rückmeldungen von Menschen, die auf barrierefreie Angebote angewiesen sind.
Sie müssen nicht morgen die perfekte Website haben. Aber Sie können morgen eine Barriere weniger haben als heute.
Vielleicht ist genau das der sinnvollste Einsatz von künstlicher Intelligenz: nicht nur schneller zu arbeiten, sondern Angebote für mehr Menschen nutzbar zu machen.